Archiv für die Kategorie 'Thomas erklärt Kultur'

Dinosaurier

Zwar ist „13 Semester“ nicht unbedingt ein Film, den man im Kino gesehen haben muss, aber dennoch mal wieder ein Zeichen dafür das auch in Deutschland gute Filme produziert werden. (Hervorhebung von mir.)

So schreibt heute der Schneyra und dem schließe ich mich an. Schon im Dezember habe ich mir eine andere Deutsche Produktion angesehen und war ziemlich begeistert. Dinosaurier – Gegen uns seht ihr alt aus heißt der aktuelle Film von Leander Haußmann, in dem neben Daniel Brühl als Skrupellosem Jungbänker auch die halbe Familie Haußmann mitspielt. Sehr überzeugend auch Tom Gerhard als Direktor des Altersheim, in dem sich ein Großteil der Handlung abspielt.

Der Plot in aller Kürze: Bank nimmt alter Dame Haus weg, die muss ins Altersheim, findet dort einen Haufen nicht mehr ganz so rüstiger Rentner vor, die sich zusammentun um das Haus der guten Frau zurück zu erobern. Dazu tragen alle etwas bei, jeder auf seine eigene skurrile Weise. Trailer gefällig?

Edit Das Video startete bei Aufruf dieser Seite leider automatisch. Das nervt, deshalb ist es raus geflogen.

Die Idee, ins Kino zu gehen, war damals sehr spontan und eigentlich nur eine Notlösung weil unser eigentliches Ausflugsziel, das Schillerhaus in Jena, unangekündigt Urlaub gemacht hat. Umso angenehmer war ich von dem Film überrascht, der mich mehrfach zu lautem Gelächter gebracht hat. Sehenswert!

Was war los?

Wie bitte? Nur ein Eintrag seit dem 2.5.?! Wurde dieser Blog in ein Raum-Zeitliches Vakuum gesogen, und hat dadurch ein komplettes Semester übersprungen? Nein. Die erklärung ist wesentlich banaler:

Ich war in geheimer Mission für ihre Majestät unterwegs.
Nein? Hmm…

So ein alter Kerl mit Bart hat mir einen Ring angedreht, den musste ich in einen Vulkan werfen gehen!
Auch nicht? Lass mal überlegen…

Na gut, na gut. Sehen wir der Sache ins Auge: Ich hatte nicht besonders viel Bock zu bloggen. Jede Menge Unistress und Pfadfinderaktionen taten ihr übriges und da hab ich es eben gelassen. Genug zu berichten hätte es auf jeden Fall gegeben. Hier nur ein kurzer Abriss des Sommers.

Musikalisch:
Wacken ist vorbei, mal wieder. Schade eigentlich. Dieses Jahr war ich einen Tag früher da, in der altbewährten Besetzung. Vom Lineup her dachte ich eigentlich, dieses Jahr wäre weniger für mich dabei, als im letzten. Dem war dann aber ganz und garnicht so. Ich habe viele geniale Konzerte gesehen, die einzeln zu erwähnen jetzt wohl nicht mehr so viel Sinn ergäbe. Auf jeden Fall ist die Karte für nächstes Jahr schon bestellt.

Pfadfinderisch:
Ich weiß, ich neige dazu mit Superlativen um mich zu werfen, wenn es um Landeswölflingsaktionen gibt. Aber das diesjährige LaWöLa braucht sich echt nicht hinter seinen Vorgängern zu verstecken. Atlantis war mein zehntes LaWöLa in Folge und ich hatte wirklich außerordentlich viel Spaß. Die Kinder, denke ich, auch.

Dann war auch noch Bundeslager. Zu Bundeslagern hab ich ja eigentlich ein zwiespältiges Verhältnis. Ich finde die Stimmung dort immer toll, die riesige Zeltstadt faszinierend und ich freue mich immer, viele alte Bekannte dort wieder zu sehen. Was mir bei der Geschichte bisher immer gefehlt hat, war eine schöne und interessante Aufgabe. Die habe ich in diesem Jahr in der Gelben jurte gefunden. Das kann ich mir für 2013 wieder vorstellen. Danach fahr ich da vermutlich eh im Wohnmobil hin.

Universitär:
Da war so einiges los, diesen Sommer. So ganz nebenbei habe ich mein letztes Praktikum hinter mich gebracht. Das Fachpraktikum war eine, wenn nicht die beste Veranstaltung meines ganzen Studiums. In dem semesterbegleitenden Praktikum hatte ich, mit sechs weiteren Praktikantinnen, erst einige theoretische Sitzungen im Trierer Studienseminar für das Lehramt an Gymnasium. In diesen wenigen Wochen habe ich, ungelogen, mehr über Unterrichtsplanung gelernt als im kompletten BW Studium. Das wurde dann auch gleich umgesetzt. Gemeinsam haben wir eine kleine Reihe zu Dürrenmatts Besuch der Alten Dame in einer zehnten Klasse am AMG in Trier gehalten. Von meiner Stunde waren sowohl die Schüler als auch der Praktikumsbetreuer sehr begeistert, auch deshalb, weil es mal eine etwas andere Stunde war, mit Theaterpraktischer Herangehensweise an den Text.

So ganz nebenbei habe ich in diesem Semester auch noch alle übrigen Kurse belegt, die mir noch gefehlt haben. So habe ich auch die letzten vier Wochen beinahe durchgängig am Schreibtisch verbracht, um meine letzten drei Hausarbeiten zu schreiben. Die sind am Freitag im Briefkasten gelandet.

Wie geht es also weiter mit meinem Studium? In der zweiten Novemberwoche habe ich Abschlussprüfung in den Bildungswissenschaften, was noch ein ganz schöner Kraftakt wird.
Danach geht es dann munter weiter mit Examensarbeit und allen möglichen Abschlussprüfungen.

Erstmal aber, geht es jetzt noch mal einen Monat nach Irland. Ob ich diesmal so viel berichten kann weiß ich noch nicht, ab und zu wird man aber sicher von mir hören.

Prokrastination

Gerade habe ich beim Philipp das Wort “prokrastinatinieren” gelesen. Schonmal irgendwo gehört… gucken wir mal was Tante Wikipedia hergibt. Ach ja, “aufschieben”, ich erinnere mich. Beim Lesen des gleichnamigen Artikels hatte ich das Gefühl, da hätte jemand eine unautorisierte Biographie von mir eingestellt. Zitat:

Manche Menschen sind wesensbedingt erhöht motivationsabhängig, sie schaffen es nur unter großer Überwindung, Tätigkeiten, die als langweilig empfunden werden (und deren Gewinn erst sekundär oder zukünftig entsteht), in Angriff zu nehmen. Dabei sind sich die Betroffenen der ihnen durch das Verschieben entstehenden persönlichen Nachteile durchaus bewusst, was Unlust oder sogar Angst auslöst, die aber als Negativgefühle ihrerseits das In-Aktion-Treten erschweren oder gar unmöglich machen. Ein Teufelskreis kann entstehen, indem man immer wieder den Vorsatz fasst, die unangenehmen Aufgaben zu einem bestimmten Zeitpunkt zu erledigen – diesen jedoch wieder und wieder verstreichen lässt.
Quelle: Wikipedia

Passt. Aber die Sache hat auch ihr gutes:

Aufschieben ist jedoch auch eine wichtige Kulturleistung, eine traditionsreiche Strategie.
Quelle: Wikipedia

Indem ich hier also sinnfrei vor mich herblogge, statt endlich mal meinen Essay zu Ende zu schreiben, leiste ich einen wertvollen Beitrag zur kulturellen Entwicklung des Landes. Wo kann ich dafür eigentlich Fördergelder beantragen?

Kanonisiert

Was in der Schule an Literatur gelesen werden soll wird immer heiss diskutiert. Ob man einen Kanon braucht, ob man den Lehrern überhaupt Vorschläge unterbreiten soll und und und. Hat man sich schließlich zu einem Kanon durchgerungen stellt sich die nächste Frage, anhand welcher Kriterien er gefüllt werden soll. Nach Epochen oder nach Themen, entscheiden Schüler, Lehrer, Literarurprofessoren, Studenten?

Gestern hat uns der Dozent im Fachdidaktik Seminar Deutsch ein Experiment von 1981 vorgestellt, in dem Studenten aus Frankreich, Großbritannien, Spanien, Italien und Deutschland die zehn bedeutendsten Autoren dieser Länder wählen sollten. Jede Ländergruppe durfte dabei nur Autoren aus den anderen Staaten wählen, die Briten also zum Beispiel nicht Beckett und die Italiener nicht Boccaccio. Daraus wurde dann ein Gesamtranking der meistgenannten Autoren erstellt. Kleines Quiz gefällig? Manche sind recht eindeutig, mit anderen hätte ich nicht in den Top 10 gerechnet. Ich warte auf Vorschläge in den Kommentaren.

1. William Shakespeare
2. Johann Wolfgang von Goethe
3. Miguel de Cervantes
4. Dante Alighieri
5. Franz Kafka
6./7. Thomas Mann und Marcel Proust
8. Molière
9. James Joyce
10. Charles Dickens

Damit wir länger Spaß dran haben würde ich sagen immer einer nach dem anderen. Also erst einen neuen vorschlagen, wenn der letzte Vorschlag bestätigt oder abgelehnt ist. Google und Co. sind natürlich tabu.

Meine gebildeten Leser haben es nun geschafft die Liste zu vervollständigen, damit ist dieses kleine Experiment leider beendet.

10 Jahre Schandmaul – Im Partybus Nr. 5 nach München

Trier-Mainz
Am Donnerstag bin ich nach der Uni nicht wie üblich in den Regionalexpress gen Heimat gestiegen. Stattdessen setzte wurde an der Pearl die Segel gesetzt und Kurs auf Mainz genommen, wo ich mit einem guten Teil des Landesrudels einen netten Raclettabend verbracht hatte. Das aber nur am Rande, denn nach einer guten aber kurzen Nacht beim Genge ging es zum Mainzer Hauptbahnhof, wo die eigentliche Tour des Wochenendes beginnen sollte.

Mainz-München
Im Vorfeld hatte ich mir ein paar Sorgen gemacht, dass ich den Treffpunkt nicht finden könnte. Völlig grundlos: Viel schwarze Kleidung und Karoröcke der bereits Wartenden lotsten mich problemlos hin. Der Bus kam pünktlich, wir stiegen ein, es gab das obligatorische Festivalbändchen und es konnte los gehen. Nach München ist es ein gutes Stück. Umso wichtiger, dass der Bus bestens ausgestattet war: Ein Kühlschrank mit Bier, ein Bordklo. Was braucht es mehr für einen perfekten Wasserkreislauf?
Ich kannte niemanden im Bus. Die betonung liegt auf “kannte. Zunächst hörte ich auf einem Sitz hinter mir die Signalwörter “Lager”+”Wölfling”+”Halstuch” in Kombination und schon hatte ich zwei BdPler aus Wiesbaden aufgetrieben. Aber auch der Rest der Besatzung stellte sich als sehr cooler Haufen heraus. So wurden wir ziemlich flott zu einer guten Gemeinschaft inklusive “Partybus Nummer 5″ Schlachtruf.
Die Zeit im Bus verging recht flott, dank Musik, Poker und pro Nase einer Schandmaul-Tüte mit allerlei Süßkram.

Das Konzert
In München warfen wir schnell unsere Sachen in die für uns vom Veranstalter reservierte Jugendherberge und eilten dann zum Bus zurück, der uns bis zum Zenith brachte. Wir “Busfahrer” waren mit die ersten, die dort eintrafen und standen in der Schlange relativ weit vorne. Hat noch ein bisschen gedauert bis zum Einlass. Erkenntnis: Man kann 7000 Erwachsene Menschen prima dadurch bei Laune halten, dass man ihnen einen Luftballon zuwirft.
In der Halle bekamen wir einen recht guten platz und erlebten eine fantastische Show mit allem was das Herz des Schandmaulfans begehrt. Ein Querschnitt an Songs von allen Alben, viele die ich noch nie live gehört hatte, und eine geniale Stimmung in der Halle liessen die fast 3 3/4 Stunden, inklusive 3 Zugaben, wie im Flug vergehen. Den Schandmäulern merkte man ebenso wie dem Publikum an, dass dies ein besonderes Konzert war. Gastauftritte u.a. von Frau Schmitt von Subway to Sally und diversen Mitgliedern der Letzten Instanz taten ihr übriges. Ich freue mich schon sehr auf die DVD.
Nach dem Konzert brachte uns der Bus wieder zur Herberge, wo ich nichts anderes mehr tun konnte als ins Bett fallen.

München
Den Wecker hätte ich dank der üblichen Schlaflosigkeit nicht gebraucht. Um halb acht wurde ich wach und konnte vor dem allgemeinen Andrang unter die Dusche springen. Über die Jugendherberge in München Neuhausen kann ich nur gutes sagen. Es ist sauber, man wird freundlich empfangen und das Frühstück ist Jugendherbergsverhältnisse ausgezeichnet. Über den Preis kann ich nichts sagen, der war wie Busfahrt und alle Eintirtte in meinem Kombiticket enthalten.
Den Tag verbrachte ich mit Claudi in München, wo wir einige ihrer Freundinnen aus Studienzeiten besuchten, Kaffee tranken und ausgiebig sightseeing betrieben haben. Mit dem Tagesticket für die Münchner U-Bahn zu 5 Euro alles kein Problem.

Die Party
Für den Abend stand die Jubiläumsparty im Backstage an. Ich rechnete mit passender Mucke aus der Dose und vielleicht einer kleinen Autogrammstunde. Zuerst sah auch alles danach aus, doch einige Überraschungen sollten folgen. Die größte und tollste war, dass plötzlich die Letzte Instanz die Bühne enterte und noch mal ein komplettes Konzert spielte, allerdings nicht mit eigenen Titeln, sondern hauptsächlich Stücken von Schandmaul. Sehr genial. Es folgte eine durchtanzte Nacht und mein jubiläums T-Shirt zieren nun die Unterschriften aller sechs Schandmäuler.

Heimreise
Der Rest ist unspektakulär. Der Bus brachte uns am Sonntag zügig zurück nach Mainz. Unterwegs machten wir Gruppenfotos und sammelten für den Busfahrer. Hatte schon irgendwie was von Klassenfahrt das alles. Ich wollte an diesem Abend nicht mehr unbedingt fahren und blieb noch eine Nacht bei Andi, bevor ich heute morgen direkt weiter zur Uni fuhr.

Fazit
-Tolle Leute und einige neue Freunde bei diversen Social Network Portalen
-Wundervolles Konzert von und mit Schandmaul
-Schöner Tag in München mit Claudi
-Geile Jubiläumsparty, vor allem dank genialem Auftritt der Letzten Instanz
-Sehr, sehr gute Organisation der gesamten Tour durch Headline Concerts
Macht unterm Strich eines der gelungendsten Wochenenden seit langem.

Weimarer Zustände?

Ist die Finanzkrise jetzt eigentlich überstanden? Schade, ich habe letzten Sonntag zum ersten Mal seit Jahren für 1,10 € getankt. Können wir bitte noch eine Finanzkrise haben?

Diese “Überlegung” aber nur am Rande, denn eigentlich ist dieser Post eine Literaturempfehlung. Oder eine Literatur Weiterempfehlung, die ich aus meiner heutigen Vorlesung “Literatur und Kultur der Weimarer Republik” mitgebracht habe.

Aus gegebenem Anlass schloss der Professor die Sitzung mit einem Auszug aus Kurt Tucholskys (unter dem Pseudonym “Kaspar Hauser”) Glosse “Kurzer Abriß der Nationalökonomie” von 1931. Wie vom Prof auch von mir der Hinweis: Gewisse Ähnlichkeiten zu gewissen zeitgenössischen Bankern und Geschehnissen sind wohl nicht rein zufällig.

Jede Wirtschaft beruht auf dem Kreditsystem, das heißt auf der irrtümlichen Annahme, der andre werde gepumptes Geld zurückzahlen. Tut er das nicht, so erfolgt eine sog. ›Stützungsaktion‹, bei der alle, bis auf den Staat, gut verdienen. Solche Pleite erkennt man daran, dass die Bevölkerung aufgefordert wird, Vertrauen zu haben. Weiter hat sie ja dann auch meist nichts mehr.
Wenn die Unternehmer alles Geld im Ausland untergebracht haben, nennt man dieses den Ernst der Lage. Geordnete Staatswesen werden mit einer solchen Lage leicht fertig; das ist bei ihnen nicht so wie in den kleinen Raubstaaten, wo Scharen von Briganten die notleidende Bevölkerung aussaugen. Auch die Aktiengesellschaften sind ein wichtiger Bestandteil der Nationalökonomie. Der Aktionär hat zweierlei wichtige Rechte: er ist der, wo das Geld gibt, und er darf bei der Generalversammlung in die Opposition gehn und etwas zu Protokoll geben, woraus sich der Vorstand einen sog. Sonnabend macht. Die Aktiengesellschaften sind für das Wirtschaftsleben unerläßlich: stellen sie doch die Vorzugsaktien und die Aufsichtsratsstellen her. Denn jede Aktiengesellschaft hat einen Aufsichtsrat, der rät, was er eigentlich beaufsichtigen soll. Die Aktiengesellschaft haftet dem Aufsichtsrat für pünktliche Zahlung der Tantiemen. Diejenigen Ausreden, in denen gesagt ist, warum die A.-G. keine Steuern bezahlen kann, werden in einer sogenannten ›Bilanz‹ zusammengestellt.

Zusammenfassend kann gesagt werden: die Nationalökonomie ist die Metaphysik des Pokerspielers.

In: Die Weltbühne, 15.09.1931, Nr. 37, S. 393.

Den ganzen Text kann man hier lesen.

The f***ing best festival in the world!

Eingang

Und das sage nicht ich, sondern Bruce Dickinson. Und wie könnte ich jemandem widersprechen, der schon vor 300.000 Menschen gespielt hat, als ich nicht mal laufen, geschweige denn eine Gitarre halten konnte.

Es ist schwer, die letzten vier Tage in einen Post zu packen, der nicht ins Monumentale ausartet. Deshalb wird es auch zum Teil mal wieder ein stichworthafter Beitrag werden.

Am Mittwoch Morgen gegen halb 6 habe ich an der Pearl die Segel gesetzt und bin erstmal Richtung Saarbrücken gefahren. Dort habe ich Micha wach geklingelt, denn der Stamm Tscherkessen hat unserer “Fahrtengruppe” dankenswerterweise zwei Steckstangen zur Verfügung gestellt. Von dort aus bin ich dann ein bisschen durch Saarbrücken und Umgebung gegondelt um meine Mitfahrer einzusammeln, die sich auf meine Suchanzeige hin gemeldet hatten. Das ging auch wirklich gut und durch den kleinen Autopool, in Verbindung mit einem entspannten Tempo bei der Energiespar-Pearl, wurde die Anreise richtig günstig. Durchgekommen sind wir auch gut. Mit ein paar Pausen hat es bis Wacken gute sieben Stunden gedauert.

Als ich dort ausgestiegen bin, gab es auch direkt das erste Highlight. Zunächst habe ich nämlich noch vor dem Festivalgelände, also im Ort, geparkt, wo ich mich mit Minda, Jonas und Tobi, meiner Festival-WG treffen wollte. Ich hatte gerade die Tür zu geschlagen, da sehe ich, wie ein älterer Herr mein Nummernschild bewundert. Im ersten Moment dachte ich, er würde rätseln was SLS bedeutet und wollte ihn aufklären. “Ich weiß! Da war ich im Krieg stationiert!” Die Welt ist eben doch ein Dorf. Daraus entwickelte sich ein halbstündiges Gespräch über die Schönheit des Saarlandes. Er kannte sogar Wallerfangen und wir stellten fest, dass er im selben Schwimmbad wie ich das Schwimmen erlernt hat. :-) Das coolste an der ganzen Sache war aber, dass dann noch seine Frau dazu kam. Das war nämlich die Frau, die in den Bonus Features von Full Metal Village im Edeka fragt, wann es den Film gibt. Prominenz quasi!

Danach galt es irgendwie die anderen zu finden. Sich in einem Dorf mit 65.000 Irren, die Bierkästen an Hundeleinen hinter sich her ziehen, singen, nackt rumlaufen und auch sonst jeden erdenklichen Quatsch machen irgendwie auffällig zu verhalten ist ganz schön schwierig. Aber für Captain Thomas Schnubel nicht unmöglich! Aus den beiden Steckstangen habe ich mir einen Fahnenmast von gut vier Metern Höhe gebaut und mich an die Hauptstraße gestellt. Ich wurde noch nie so oft fotografiert. Geklappt hat es auch, denn wir haben uns auf Anhieb gefunden. Im Korso ging es dann am Marmeladenstand mit Trompetenmusik vorbei endlich aufs Festival Gelände, wo wir unsere Kohte ein wenig ab vom Schuss, auf dem V Campingplatz aufschlugen. Ab hier wird es stichworthaft.

Band

Bands
Ich habe so viele Bands gesehen, dass es wirklich unmöglich ist über jede einzelne etwas sinnvolles zu schreiben. Deshalb nur ein paar Anmerkungen zu einzelnen Gruppen. Die Reihenfolge sagt übrigens nichts über die Qualität aus sondern ist rein willkürlich, und die Liste erhebt keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit.

Avantasia: Coole Sache! Warum kannte ich die vorher gar nicht? Ich brauche CDs von denen, sofort!

Children of Bodom: Die Band mit dem höchsten “Fuck”-Quotienten des ganzen W:O:A. Bei deren Auftritt habe ich den Stiefel von einem Crowd Surfer in die Fresse gekriegt. Hat weh getan und geblutet, und jetzt seh ich aus, als ob ich gegen Rocky geboxt hätte. Aber es war die Sache 200% wert. Die rocken wie blöd und waren unter meinen Favoriten des Festivals ziemlich weit oben.

Sonata Arctica: Fand ich auf der CD besser als sie live wirklich waren. Trotzdem noch gut.

Nightwish: Ich war ziemlich gespannt, wie die alten Lieder wohl bei der neuen Sängerin klingen würden. Sie hat den Test einwandfrei bestanden: Super Konzert mit viel vom Once Album und einigen der neuen Stücke. Abzüge gibt’s dafür, dass keine Zugabe gespielt wurde, was vermutlich eher an Zeitvorgaben vom Veranstalter als am Unwillen der Band lag. Trotzdem. Ich hätte so gerne noch Stargazer gehört.

Lordi: Haben mehr Lieder als Hard Rock Helleluja! Und sind echt gar nicht mal so schlecht. Die Finnen haben das letzte Konzert des Festivals gespielt, Samstag Nacht von 2 bis 3 Uhr, und trotzdem hat der Mob noch ordentlich getobt. Ich hab mir bei dem Konzert die ganze Zeit vorgestellt wie Oma Irmchen aus Full Metal Village dem Sänger begegnet…

Kamelot: Kannte ich vorher auch nicht und steht jetzt auf der Einkaufsliste.

Corvus Corax: Die hatten mich ja auf dem Hexentanz Festival so gar nicht begeistern können. In Wacken haben sie ihr neues Album vorgestellt, bei dem sie von einem kleinen Orchester und einem Background Chor begleitet werden. Vor allem der Chor wertet die Spielleute ziemlich auf, so dass dieses eins der schönsten Konzerte des Festivals war.

As I Lay Dying: Geil!

W:O:A Firefighters: Die “heimlichen Headliner.” Wacken, Wacken, Feuerwehr!

Iron Maiden: Was soll ich zu denen noch schreiben. Niemand sollte sterben ohne einmal in seinem Leben gehört zu haben, wie 65.000 Menschen das Intro von Fear of the Dark singen.

Holy Land

Trivia

  • Das erste, was ich auf dem Gelände gesehen habe, waren fünf nackte Männer, die Fußball gespielt haben. Ganz nackt? Nein, sie hatten jeder einen Hut auf.
  • Bruce Dickinson scheißt direkt nach dem ersten Lied den Mann vom Kamerakran an.

“Hey you fucker! We’re not producing a TV show, we gonna do a rock concert! Your fucking crane is in the way, people can’t see me! Move that fucking thing aside! MOVE IT ASIDE NOW YOU FUCKER! Don’t wanna see it again!”

Den Kran hat man bei diesem Konzert dann wirklich nicht mehr gesehen.

  • Als Nightwish “Wishmaster” anstimmt singen 50.000 Leute um mich herum die Version der Misheard Lyrics mit. :-) Hamster! A dentist!
  • Nach dem Iron Maiden Auftritt haben wir ein paar Schweden getroffen, die uns auf ihren Campingplatz zu einem Kasten Bier einluden. Völkerverständigung gibt’s anscheinend doch nicht nur bei den Pfadfindern.

Die Hälfte aller Ereignisse hab ich hier mit Sicherheit vergessen. Das liegt bei einer solchen Reizüberflutung aber nunmal in der Natur der Dinge.
Am letzten Morgen haben wir jeder noch ein stück “Holy Wacken Land” ausgegraben. Meines steht jetzt hier auf dem Fesnterbrett.

Team

Vielen, vielen, vielen Dank an meine Wacken-WG. Ich fand, wir waren eine richtig coole Truppe und hoffe, das war nicht unser letztes gemeinsames Festival. Im Moment fühlt es sich bei mir so ähnlich an, wie wenn man von einem tollen KfM nach Hause kommt.

Abschließend kann ich nurnoch einses feststellen:
Wacken ist vorbei. Leider.

Update: Ich hab mal an unpassenden Stellen ein paar Bilder eingefügt. Wer mehr sehen will kann demnächst mal zum Dia-Abend kommen oder hier nachschauen.

Biete Mitfahrgelegenheit vom Saarland nach Wacken

Für die Tour zu meinem Sommerurlaub im beschaulichen Schleswig Holstein (Wacken Open Air 2008) habe ich noch Platz im Auto.

Leistungen

  • Fahrt erster Klasse in einem (beinahe) neuwertigen Kompaktklasseautomobil aus dem Hause Volkswagen
  • On-Board Entertainmentprogramm (Metal aus der Dose und hasige Gespräche)
  • Gepäckmitnahme (beinahe) unbegrenzt möglich (keine Haustiere!)
  • Strecke: Saarland-Wacken Open Air Festivalgelände-Saarland
  • Reisedauer: Mittwoch, 30. Juli 2008 (Abreise in den frühen Morgenstunden) bis Sonntag, 3. August 2008 (Ankunft am späten Abend)
  • Übernachtung nicht mit inbegriffen

Wir erwarten:

  • Beteiligung an den Spritkosten
  • Gude Laune

Verfügbarkeit:

  • 2-3 Plätze (bei 2 ist es bequem, bei 3 muss man sich mögen)

Es handelt sich um ein ERNSTGEMEINTES Angebot. Wer also noch nicht weiß wie er vom Saarland oder sonst irgendeinem Ort, der annähernd auf dem Weg liegt, zum Wacken Open Air 2008 kommt, kann sich gerne mit einer validen eMail Adresse in den Kommentaren melden. Ich schreib dann zurück.

Unnütz 2008

Der aktuellen Ausgabe der NEON liegt wieder das jährliche Heft mit 200 unnützen Fakten, die man gleich wieder vergessen kann, bei. Darauf freue ich mich jedes Jahr aufs neue. Hier ein paar meiner Lieblinge:

  • 37) Brad Pit ist ein Cousin neunten Grades von Barack Obama. Angelina Jolieist eine Verwandte neunten grades von Hillary Clinton.
  • 129) Die älteste Hinterlassenschaft der Menschen auf dem amerikanischen Kontinent ist ein 14300 Jahre alter Haufen Kot.

Und mein Favorit:

  • 147) Hexakosioihexakontahexaphobiker werden Menschen genannt, die Angst vor der Zahl 666 haben.

Aber eigentlich sind alle gut. Kaufen!

Zitat des Tages (13)

“Das ist so bemerkenswert geschmacklos… dass ich es ihnen nicht vorenthalten will!”

Professor H.B. über das – wirklich einigermassen geschmacklose – Gedicht “Caledonia” von Daniel Defoe.

BTW: Ich hab bei den Zitaten des Tages mal eine Nummerierung angefangen.






Zeo