Die Phase des schlechten Gewissens wird bei mir immer durch ein sehr konkretes Ereignis beendet, nämlich durch eine eMail von der universitären Bibliothek, die mich daran erinnert, dass in einer Woche die Leihfrist für die Bücher endet, die ich auf dem Höhepunkt der Phase des guten Willens ausgeliehen habe. Bis zum Abgabetermin sind es jetzt für gewöhnlich noch etwa sieben Tage, von denen die Präparatorische Phase zwei bis drei einnimmt. Was geschieht in dieser Phase?
- Zunächst wird alles benötigte Arbeitsmaterial an einen Platz geschafft. Das Handout vom Referat aus der Prä-Präparatorischen Phase wird entweder aus dem Haufen mit den Unterlagen vom vergangenen Semester heraus gekramt oder, wenn unauffindbar, neu ausgedruckt. Da mich in meinem Zimmer zu viel ablenkt ist der perfekte Ort meistens unser Esszimmer, der langweiligste und am wenigsten benutzte Raum im Haus.
- Es folgt das Erstellen einer Gliederung. Hierbei geschieht für meine Begriffe immer ein Wunder: Es zeigt sich, dass die Phasen des guten Willens und des schlechten Gewissens gar nicht so unnütz waren. Unterbewusst hat man nämlich sehr wohl immer mal wieder an die Arbeit gedacht. Nicht viel, nur hier und da mal ein Gedanke. Gerade genug, dass man es selbst nicht merkt. Das hat jedoch den Effekt, dass man zu Beginn der Präparatorischen Phase schon ziemlich genau weiß, was man eigentlich schreiben will.
- Nach dem Erstellen der Gliederung wird die Literatur überflogen. Dabei fallen mir meistens schon Zitate auf, die meine Ideen stützen. Die hacke ich dann auch direkt mit der passenden Quellenangabe in die Datei aus der Phase des guten Willens.
- Auf dem Höhepunkt dieser Phase, der anders als bei der Phase des guten Willens immer am Ende liegt, schreibe ich dann das Literaturverzeichnis und die Einleitung. An dieser Stelle ein Geständnis: Ja, ich schreibe meine Hausarbeiten gegen die eindeutige Empfehlung der meisten Professoren von Vorne nach hinten durch und nicht zuerst den Hauptteil und dann Einleitung und Schluss. Damit bin ich auch fast immer ganz gut gefahren.
Nach dieser, schon ziemlich arbeitsreichen Phase kann es endlich losgehen.

Es spricht ja auch eigentlich für dich, wenn du die Einleitung mit Leitfragen etc. vorneweg schreibst, da du dann ja schon im Kopf haben musst, was noch nicht auf dem Papier ist.
Stimmt wohl, denn wen dieser Punkt erstmal überwunden ist geht es ja recht flott zur Sache. Im Kopf ist die Arbeit dann meist so gut wie fertig und muss nur noch irgendwie zu Papier gebracht werden. Manchmal merke ich am Ende auch, dass nicht genau das rausgekommen ist, was ich am Anfang beschrieben habe, weil die Arbeit sich doch in eine etwas andere Richtung entwickelt hat, aber dann kann man die Einleitung ja immer noch abändern.