Ich habe es ja bis zum Schluss nicht glauben wollen, aber es ist Zeit, der Wahrheit ins Auge zu blicken. Die Tage der nachbarlichen Wurstfabrik sind gezählt. Letzte Woche hat ein LKW die versteigerten Gerätschaften abgeholt und vor ein paar Tagen hat ein Demontageteam die acht großen Kühlaggregate vom Dach gegenüber entfernt. Das war für mich ein besonders dramatischer Moment, haben die Geräte mich doch nicht nur all die Jahre mit ihrem Gebrumme und Geklapper erfreut, sondern auch schon als kleines Kind mit den blinkenden Kontrollleuchten, die ich von meinem Bett im Kinderzimmer aus sehen konnte, begeistert.
Tja, das ist nun vorbei. Seit Tagen geht es drüben reger ein und aus als in besten Produktionszeiten. Anscheinend will man noch alle Wertstoffe aus dem alten Gebäude rausholen. Was danach damit passiert steht in den Sternen. Ich vermute einfach mal: Eine ganze Zeit lang nichts.
Bei aller Melancholie, die mich als Nachbar befällt, sollte man aber auch nicht vergessen, dass durch die Schließung mal wieder einige Leute ihren Arbeitsplatz verlieren. Darunter auch der Vater eines ehemaligen Wölflings von mir. Der steckt das ganze aber ganz gut weg und hat beim Arbeitsamt schon nachgefragt, ob sie für einen gut erhaltenen Mann um die 50 nicht noch was in der Erotikbranche hätten.
Mir wird jedenfalls etwas fehlen. Und auch wenn es nicht genau passt, da es sich bei den Nachbarn nicht um einen Schlachthof im eigentlichen Sinne, sondern nur um einen “veredelnden” Betrieb gehandelt hat, geht mir schon seit Tagen ein bestimmtes Lied durch den Kopf, welches ich spätestens wenn die Fabrik abgerissen wird per Propaganda LKW durch die Strassen von Wallerfangen klingen lassen werde.
Und wer schickt mir jetzt dieses Jahr an Weihnachten nen Korb voll Wurst?!

ein guter anlass, vegetarier zu werden…
Nein, nein… dazu ist die Situation auf dem Saarländischen Lyoner-Markt grade viel zu spannend. Nachdem ein wichtiger lokaler Konkurrent aus dem Rennen ist könnte das Gleichgewicht der Macht zwischen Schröder und Höll ins wanken geraten. Es ist alles so aufregend!
hach ja, erklär das mal nem Norddeutschen… Schröder gegen Höll, das ist noch ein echter Wettkampf, da hängt auf beiden Seiten noch (Schweine-?)Herzblut drin…
Wobei ich da eher auf die Rostwurst-Battles achte, bei Lyoner geht nix ueber den heimischen Kunzler!
meine güte, ich habe angst, zwischen die fronten zu geraten… als fleischlos lebende norddeutsche sollte ich mich wohl besser zurückhalten!
Das mit den Fronten ist unglaublich schnell passiert, selbst ich muss immer aufpassen mich nicht zu sehr auf eine Seite zu schlagen. Sonst hat man ganz schnell beim aufwachen ne abgeschnittene Lyonerplombe neben sich im Bett liegen…
Ich für meinen Teil war nicht ganz unfroh, keine Cuttergeräusche, die mich morgens aus der letzten Tiefschlafphase reissen und der morgendliche Duft von überwürzter Suppe, der auf mich nicht sehr appetitfördernd wirkte. Allerdings bedeutete es mir auch kein Stück Kindheits- und Lebensgeschichte – das muss ich an dieser Stelle zugestehen – ist egoistisch von mir. Es hat mich gestört. Aus meiner Sicht hat sich die Wohnqualität in unmittelbarer Nachbarschaft dadurch erhöht, auch wenn ich Verständnis für melancholische Kindheitserinnerungen habe. Befürchten tue ich allerdings, dass nach Abriss des Fabrikgebäudes dort übereinandergestapelte Wohnparzellen entstehen und dann werde ich die Situation für mich neu bewerten – ich weiß nicht, ob das angenehmer sein wird……
Die Wurst war übrigens Weltklasse!
Ja, es kann sein, dass sich die Wohnqualität verbessert hat. Ich kann das wirklich nur sehr schwer beurteilen. Ich habe mein ganzes Leben lang neben dieser Fabrik gewohnt. Die Geräusche hat mein Gehring ebenso gefiltert wie den Geruch.
Ich vermute übrigens, dass wir uns so bald keine Gedanken drüber machen müssen was nach dem Abriss passiert. Laut meinen Informationen sind nichtmal die Besitzrechte an Gebäude und Grundstück eindeutig geklärt. Trotzdem könnte man mal drüber nachdenken, wie man den platz sinvoll verwenden könnte. Ich glaube das könnte eine neue Minisierie werden…
Ich plädiere für eine Grünanlage; allerdings läßt sich aus einer Grünanlage wenig kapitalisieren und so bleibt es grüne Utopie…letztendlich wird es dann eine mit grün verschönerte Wohnanlage…aber warten wir und sehen was passiert. Übrigens die Nähe zur Fabrik ist in Deinem Fall wirklich kaum zu übertreffen;-)
Die Grünanlage wäre auch mein Favourit und würde die Wohnqualität dann endgültig steigern. Darf gerne auch ein Spielplatz dabei sein. Bedeutet zwar tagsüber wieder ein bisschen mehr Lautstärke, würde Wallerfangen aber gut stehen und eine Alternative zu dem Ding auf dem Fabrikplatz bieten. Der ist einfach zu nah an der Hauptstraße um wirklich kindgerecht zu sein.
Aber wie gesagt: Utopie. Vermutlich können wir schon froh sein wenn nicht der Albtraum meines Vaters (Großraumdisco) wahr wird, im Zuge der Energiekrise ein neuer Atommeiler gebaut wird oder jemand auf die Idee kommt, wo es doch schon keinen eigenen Bahnhof gibt, endlich die Gemeinde ordentlich ans Verkehrsnetz anzuschließen und den Wallerfangen International Airport zu eröffnen.
Ja, wir sind so ein kleines gallisches Dorf, dass von Wurstfabrikteilen umzingelt ist. Haben aber tapfer Widerstand geleistet. Und unser Garten, der an zwei Seiten an die Fabrik grenzt, wird beim Abriss ziemlich an Charm einbüßen. Alte Fabrikmauern, an denen Kletterpflanzen hochwachsen find ich sehr romantisch.
Die Flughafenidee find ich ziemlich cool, und mein Gott, auf dem KfM lebst du auch mit nem Flughafen in der unmittelbaren Nachbarschaft. Obwohl Atomkraftwerk auch Charme hätte, und die überwachsenen Fabrikmauern im Garten sind ja in Sachen Romantik echt mal garnix gegen alte Atomkraftwerkmauen, an den Kletterpflanzen hochwachsen…
Auf dem KfM schlaf ich aber eh, aus ganz anderen Gründen, nur 1-2 Stunden pro Nacht.