One Night in Galway

Dieser Beitrag entsteht in Echtzeit im Kinlay House Hostel in Galway.

Nachdem ich mein Zimmer bezogen hatte gab es gleich eine dicke Überraschung. Ausser mir nächtigten dort noch ein dicker Franzose, ein Ami mit Krücken und 5 – ja was wohl – ja, 5 Pfadfinder. Das und die Tatsache, dass der Herbergsvater ein Wacken 2008 Festivalbändchen trägt, liessen mich auf einen coolen Aufenthalt hoffen.

Mit den Pfadfindern, ich verschweige den Bund hier absichtlich, es war allerdings keiner der “großen”, bin ich später in den Pub, wo ich einmal mehr einer coolen Session beiwohnen durfte. Diesmal hatten sich bestimmt 15 Musiker verschiedenen Geschlechtes und Alters zusammengefunden und Jamten auf den verschiedensten Instrumenen drauf los.

Soweit zum angenehmen Teil. Als ich mit den fünf Jungs am Tisch saß wollte einer von ihnen, der vom Aussehen her übrigens der Bruder vom Ramsteiner Penning sein könnte, wissen, was wir denn im BdP “so machen.” Ich erzählte also kurz was über Pfadfinderarbeit im BdP, Ziele, Konzepte, das übliche halt.

Im weiteren Verlauf des Gespräches stellte er immer häufiger Fragen, besonders zum Thema Ausbildung und Kultur, die nach meinem bescheidenen Dafürhalten (dass in dieser Hinsicht gar nicht so bescheiden ist, ich studiere so was ähnliches immerhin) von Grundweg auf Konfrontation ausgelegt waren. Aber wie gesagt, ich bin ja quasi Profi und so ließ ich mich nicht auf einen Streit ein. Dann ging er dazu über mir deren Kurssystem erklären zu wollen. Ganz hab ich es nicht verstanden aber es hörte sich für meinen Geschmack alles etwas zu hierarchisch an. Mutproben und Abzeichen für besondere Leistungen, die vorwiegend mit dem Beweis der eigenen Härte zu tun haben, können natürlich sein, sind aber nicht mein Geschmack. Die Idee von selbstbestimmtem Learning by doing und die Vermittlung von Inhalten wie der Umgang mit Gruppen kam mir dabei zu kurz. “Aber was solls, jedem das seine” dachte ich mir und lies mich auch durch die immer offensichtlicheren Seitenhiebe nicht provozieren. Irgendwann wurde es mir dann einfach zu spät und als die Jungs sich jeder einen Whiskey bestellten nutzte ich die Chance mich zu verabschieden. “Aha, trinken kann man im BdP also nicht” bekam ich als Antwort. Spätestens jetzt erschienen vor meinem inneren Auge groß und rot leuchtend die Buchstaben “I-D-I-O-T-E-N” und ich machte mich, ohne diese hirnverbrannte Aussage eines Kommentars zu würdigen, auf den nach Hauseweg.

Ich war gerade eingeschlafen, da wurde ich unsanft aus dem Schlaf gerissen. Die fünf waren eingetroffen und zwei von ihnen waren in eine handfeste Keilerei verwickelt! Die anderen drei hielten die Streithähne auseinander und verfrachteten einen, es war übrigens “Penning”, in sein Bett. Der andere stand noch mehrere Minuten mitten im Zimmer und fluchte. Ich fühlte mich zwar arg belästigt, verkniff mir aber einzuschreiten, da ich als Grund für das ganze nicht ausschloss, dass sich nun herausstellte, wer wirklich nicht trinken kann. Und selbst eine aufs Maul brauche ich ja nun auch nicht. Jedenfalls gibt es jetzt einen dicken Franzosen und einen Ami mit Krücken mehr auf der Welt, die von Pfadfindern ein schlechtes Bild haben.

Die Krönung des ganzen erfolgte übrigens gerade eben, als einer der fünf, die mit ihrem Geschrei vermutlich das halbe Hostel aufgeweckt hatten, den dicken Franzosen dafür anblaffte, dass er ihn nachts mal angestubbst hätte. Er hatte einfach ein bisschen geschnarcht…

Mittlerweile sitzen übrigens alle fünf wieder einträchtig beieinander, was meine Vermutung, dass Whiskey der Grund für den Streit war, weiter verhärtet. Zum ersten mal, seit ich hier unterwegs bin, war ich froh mein Halstuch nicht zu tragen müssen. Schade.

3 Kommentare zu “One Night in Galway”


  1. 1 Martin Schneyra

    Immer drüber stehen, immer drüber stehen… Nicht ärgern lassen. Trottel! Vögeln die beim Wandern zufällig? :-)

  2. 2 Thomas

    Es waren nur jungs, keine Ahnung. ;-) Aber es waren schon Pfadfinder.

  3. 3 Martin Schneyra

    Nächstes Mal komm ich mit und dann hauen wir die… Kähn Stress!

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Zeo